Aktuellen Schätzungen zufolge leidet etwa jeder zehnte Erwachsene in Deutschland unter einer Stuhl- oder Harninkontinenz, wobei die Dunkelziffer erheblich höher vermutet wird. Denn diese Volkserkrankung ist mit einem Tabu behaftet, sodass viele ihr Leiden aus Scham nicht in der Arztpraxis ansprechen.
Deswegen lädt die neue Kontinenz-Selbsthilfegruppe zum Gespräch ein. „Sprechen Sie darüber, jeden 3. Donnerstag im Monat um 18 Uhr im Medienraum 2 des Bethlehem Krankenhauses“, fordert Elke Steverding, Krankenschwester im „Bethlehem“ und Ansprechpartnerin der neuen Gruppe, Betroffene und Interessierte auf, beim Thema „Inkontinenz – noch immer ein Tabu?“ mitzureden.
„Inkontinenz ist kein vereinzeltes Problem“, so Professor Dr. Klaus-Peter Jünemann, erster Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, „sondern eine Erkrankung, unter der Millionen von Menschen leiden. In Deutschland sind es etwa sechs bis neun Millionen Männer und Frauen, die an Harn- und Stuhlinkontinenz leiden.“ Diese Erkrankung betrifft nicht nur, wie weithin angenommen, die ältere Generation, sondern verschont auch die Jungen nicht. Zum Beispiel wurden 60 Prozent der 25- bis 75-jährigen Frauen in Deutschland wegen Inkontinenz behandelt oder sind inkontinent. Sogar Kinder können an einer Inkontinenz leiden (Enuresis) – Jedes dritte Kind im alter von fünf Jahren nässt nachts noch ein.
Trotz dieser hohen Zahlen ist die Thematik in unserer Gesellschaft immer noch tabubehaftet. Professor Jünemann vermutet: „Krebserkrankungen kann man operieren, bestrahlen oder mittels Chemotherapie behandeln, mit dem Ziel zu heilen. Eine Harninkontinenz ist in den Köpfen der meisten Menschen ein notwendiges Übel des Alterns, welches schlicht und ergreifend dazugehört. Dieser Umstand hat eine Tabuisierung der Thematik zur Folge, mit der sich die Bevölkerung in Deutschland, aber auch weltweit ausgesprochen schwertut.“
Betroffene leiden daher doppelt unter der Erkrankung. Nicht nur kann eine Inkontinenz den Einzelnen im täglichen Leben erheblich einschränken, sondern der Betroffene hat auch mit dem Stigma zu kämpfen, welches dieser Erkrankung in unserer Gesellschaft anhaftet.
Info: Das 1. Treffen der Kontinenz-Selbsthilfegruppe Stolberg fand statt am Donnerstag, 18. März, um 18 Uhr, im Bethlehem Krankenhaus Stolberg, Steinfeldstraße 5, Medienraum 2. Weitere Treffen immer am 3. Donnerstag eines jeden Monats, 18 Uhr.