Durch den vor einem Jahr hinzugekommenen Teilbereich Pneumologie (Lungenheilkunde) in der
Klinik für Innere Medizin am BETHLEHEM Krankenhaus ist auf der Intensivstation und der Station A6 ein pneumologisches Beatmungszentrum entstanden. Im Stolberger Krankenhaus werden daher Beatmungskonzepte nach neuesten medizinischen Erkenntnissen realisiert.
„Die Beatmungsmedizin hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Bei akutem Atmungsversagen, der Langzeitbeatmung, der schwierigen Entwöhnung vom Beatmungsgerät und der Heimbeatmung bei chronischem Atmungsversagen steht uns heute ein differenziertes Spektrum an Therapiemöglichkeiten zur Verfügung“, berichtet Oberarzt Dr. Hermann-Josef Jansen, Internist, Pneumologe und Intensivmediziner im BETHLEHEM Krankenhaus. Auch ein Wechsel von invasiver (mittels eines in die Luftröhre eingeführten Beatmungsschlauchs; Intubation) zu nicht-invasiver Beatmung (durch eine Atemmaske) und umgekehrt sei inzwischen Routine geworden, ergänzt der Lungenfacharzt.
Während früher in der Intensivmedizin der Beatmungspatient durchweg intubiert wurde, bieten heutzutage Beatmungsmasken in den verschiedensten Größen und Ausfertigungen häufig eine schonendere Alternative. Daher stehen im BETHLEHEM Krankenhaus zwei Beatmungsgeräte zur akuten nicht-invasiven Beatmung (NIV) nebst Warmluftbefeuchter auf der Intensivstation zur Verfügung. „Eine akute NIV ist zwar zunächst personalintensiver als eine herkömmliche invasive Beatmung, aber bereits nach vier Stunden bedeutet sie für unser erfahrenes Beatmungsteam gegenüber einer normalen invasiven Beatmung keinen erhöhten Arbeitsaufwand mehr“, erklärt Dr. Jansen.
Die nicht-invasive Beatmung bietet gegenüber der herkömmlichen invasiven Beatmung eine Reihe von Vorteilen: Vermeidung von durch die Beatmung häufig hervorgerufenen Lungenentzündungen und von Früh- und Spätschäden durch den Beatmungsschlauch an der Luftröhre, Reduzierung von Widerstandsarbeit bei Atmung durch einen Schlauch, Verzicht auf künstliches Koma, so dass effektives Schlucken, Husten, Essen und Trinken, aufrechte Körperposition und Kommunikation möglich werden. Auch eine phasenhafte Unterbrechung der NIV ist möglich, was das Abtrainieren vom Beatmungsgerät erleichtert. Die Gefahr einer Lungenschädigung durch zu hohe oder zu stark wechselnde Beatmungsdrucke entfällt ebenfalls bei der NIV.
Im Gegenzug verschafft die herkömmliche invasive Beatmung eine direkte Erreichbarkeit der Atemwege bei einer notfallmäßigen Notwendigkeit hierzu, Bronchialschleim kann blind oder unter Sicht abgesaugt werden, Druckstellen im Gesichtsbereich, speziell am Nasenrücken bleiben aus und die Gefahr einer Undichtigkeit an der Maske sowie gelegentliches Luftschlucken mit dem Gefühl des Blähbauchs kann vermieden werden.
All diese Vorteile der verschiedenen Beatmungsformen macht sich das pneumologische Beatmungszentrum am BETHLEHEM Krankenhaus zu Nutze. Neben zahllosen invasiven Beatmungsstunden wurden im vorigen Jahr 58 neue nicht-invasive und zwei invasive Heimbeatmungen eingeleitet. Täglich wurden ein bis zwei akute nicht-invasive vorübergehende Beatmungen mit den neuen Geräten vorgenommen, am häufigsten bei der akuten Verschlechterung einer chronischen Bronchitis. Von diesen Patienten, die früher immer im künstlichen Koma voll beatmet werden mussten, wurden im BETHLEHEM Krankenhaus im Jahr 2008 nur zwei auf diese Weise behandelt. Alle anderen konnten mittels Maskenbeatmung mit all ihren Vorzügen therapiert werden.