Moderne Teilprothesen erhalten die Mobilität des Kniegelenks.
Die Anzahl an Patienten, die ein künstliches Kniegelenk implantieren lassen müssen, steigt von Jahr zu Jahr. Zudem werden die Patienten immer jünger. Arthrose lautet die Diagnose. Ein Übermaß an Belastung (z.B. erhöhtes Körpergewicht), Fehlstellungen der Gelenke, Gelenkentzündungen oder knöcherne Deformierungen durch Knochenerkrankungen können die Ursache für den beeinträchtigenden Gelenkverschleiß sein. Die Arthrose kann alle Bereiche des Kniegelenks befallen haben oder aber sehr häufig nur einzelne Abschnitte des Knies. Durch den Einsatz von modernen Teilprothesen können viele Patienten jetzt wesentlich schonender behandelt werden.
Im
Bethlehem-Krankenhaus in Stolberg unterziehen sich 300-350 Patienten jährlich einer Knie-Operation mit Protheseneinsatz. Etwa fünf Prozent der Patienten leiden an einer isolierten innenseitigen (medialen) Gonarthrose. Für diese Patienten steht erfolgreich seit Jahren die Implantation eines medialen Hemischlittens zur Verfügung. Diese Endoprothesen werden minimalinvasiv (Schlüssellochchirurgie), über einen etwa fünf Zentimeter langen Hautschnitt implantiert. Diese Verfahrensweise hat eine deutlich geringere operative Belastung, geringeren postoperativen Blutverlust sowie eine deutlich schnellere Rehabilitation zur Folge.
Ein bis zwei Prozent der Arthrosen befallen das Femoropatellargelenk, also die Gleitflächen zwischen Kniescheibe und Oberschenkel. Für diese Fälle werden in Stolberg schon seit Jahren sehr erfolgreich die sogenannten „Femoropatellargelenksendoprothesen“ eingesetzt.
Man spricht jedoch in der Literatur von ca. 80 Prozent der Patienten, bei denen die Arthrose bei intakter Außenseite nur die Innenseite des Gelenkes, das Kniescheibengleitlager, sowie die Kniescheibe selbst betrifft. Solche Arthrosen mussten in der Vergangenheit mit einer konventionellen Kniegelenks-Totalendoprothese (Vollprothese) versorgt werden.
Seit etwa fünf Jahren werden in den USA und seit zwei Jahren auch in Europa und somit im Bethlehem-Krankenhaus mit großem Erfolg sogenannte „Bikompartimelle Kniegelenksendoprothesen“ (Teilprothese) implantiert. Ein großer Vorteil für die Patienten ist der Erhalt von gesunden Knochenstrukturen sowie sämtlicher stabilisierender Bänder. Dadurch werden dem Patienten eine natürliche Beweglichkeit und ein sehr gutes Gefühl für sein Knie direkt nach der Operation ermöglicht. Vorraussetzung für eine erfolgreiche Implantation sind ein stabiler Bandapparat, keine nennenswerte Achsabweichung sowie kein ausgeprägtes Streckdefizit. Auch diese Endoprothese wird im Bethlehem-Krankenhaus minimalinvasiv implantiert.
Jeder weiß, ein künstliches Kniegelenk hält leider nicht ewig, so dass ein weiterer enormer Vorteil dieser Teilprothese die erheblich erleichterte Revision (Austausch der Prothese) bei Lockerung des Implantats in der Zukunft ist. Diese Endoprothese lässt sich, wenn es einmal notwendig werden sollte, in eine konventionelle „Primäre Kniegelenksendoprothese“ verwandeln, so dass aufwendige und meist mit erheblichem Knochenverlust verbundene Revisionsendoprothesen in der Regel vermieden werden können.